Herzlichkeit und Servicestärke

Die jährlichen Hotel-Grand-Prixs zeigen es überdeutlich: Die Hotels im Osten Deutschlands sind auf dem Vormarsch und stehen immer häufiger im Ranking ganz oben. Ihr Servicebewusstsein ist ausgeprägter, ebenfalls die Sensibilität für ein angemessenes Preis- / Leistungsverhältnis.

Wunderschön in Thüringen gelegen ist das Schloss Eyba. Zur Begrüßung kommt ein dienstbarer Geist freundlichster Ausstrahlung und gleich fühlt man sich wohl. Konzentriertes Lernen hinter trutzigen Mauern verheißt das Schlosshotel, dessen Historie bis ins Jahr 900 zurückreicht. Erst 1994 wurden die teilweise komplizierten Sanierungsarbeiten abgeschlossen.

Im 33.000 Quadratmeter großen Schlosspark gibt es mehr als 40 Außenstationen, u.a. mit einem Nieder- bzw. Hochseilgarten und einem Am-Vieh-Theater, für Events und für Teamtrainings. Das architektonisch reizvolle und landschaftlich gut eingebettete Gästehaus unter dem Motto "Erholen – Feiern - Tagen" erweist sich ebenfalls als ein überdurchschnittlich gastfreundliches Tagungshotel. Dafür sorgt eine effektive Schar dienstbarer Geister um André Rose, der in Doppelfunktion Hotel- und Küchenchef ist. „Viele Seminarteilnehmer bleiben, wenn es ihnen zeitlich möglich ist, etwas länger, da unser Hotel ein sehr guter Ausgangspunkt ist für erholsame Wanderungen, z.B. auf der Saalfelder Höhe oder zu interessanten Ausflugszielen wie die Glasbläserei in Lauscha und zu Porzellanmanufakturen“, berichtet André Rose.

Auch das Schloss Schweinsburg, das hoch über dem Westsächsischen Ort Neukirchen thront, nutzt geschickt das Umfeld für ein attraktives, mitunter ungewöhnliches Rahmenprogramm. Als besonderes Event bietet Burgherr Hans-Peter Kainz eine organisierte „Trabi-Safari“ mit hauseigenen Trabis. „Die Safari-Teilnehmer kommen unter anderem auch zum legendären Horch-Museum nach Zwickau, wo einst die Wiege der Trabis stand“, erklärt Hans-Peter Kainz. Wer Platz nimmt in diesem Gefährt, kann nachempfinden, dass der außergewöhnliche Fahrkomfort und das einmalige Feeling dieser „Legende des Ostens“ schon so manchen Seminar- oder Tagungsteilnehmer – wohl vor allem die aus dem Westen - vollauf begeistert und zum „Rennfahrer“ gemacht hat.

Die Reise geht weiter. Inmitten der unberührten Landschaft des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, unweit des Werbellinsee und nur eine Autostunde von Berlin entfernt liegt das bbw Kommunikationszentrum am historischen Standort Hubertusstock. Die Zeitschrift „impulse“ kürte das Haus zu einem der innovativsten Zentren für Training, Tagungen und Kommunikation in Berlin und Brandenburg.

Natürlich erlebt auch Peter Stoye, Chef des bbw Kommunikationszentrums, dass die beauftragten Trainer und Unternehmen unter dem Zwang stehen, Kosten zu sparen. Doch wer deshalb nach der allergünstigsten Hotelunterkunft sucht, spart seines Erachtens am falschen Ende. „Eine Trainingsmaßnahme ist nämlich nur dann wertvoll, wenn der gewünschte Lerntransfer in den betrieblichen Alltag stattfindet“, so Peter Stoye, „dass dabei nicht nur die Qualität des Lernkonzeptes, des Trainers, sondern auch das Lernumfeld im Tagungshotel ausschlaggebend ist, sollte hinlänglich bekannt sein.“ Wie seine Kollegen ist er der Ansicht, potenzielle Kunden täten gut daran, nicht nach Preisen, sondern nach Leistungen zu guten Preisen zu fragen.

Bestes Kongress-Hotel

Erstmals Sieger in der Kategorie „Kongress“ – die Auszeichnung, die Stephan Bode, Chef des Seehotels Zeulenroda, beim Wettbewerb „Die besten Tagungshotels“ entgegennehmen konnte, ist keine Eintagsfliege, sondern verdeutlichen einen klaren Trend. „Wir Ost-Hotels zeigen, dass wir unseren Gästen sehr viel bieten“, äußert Stephan Bode selbstbewusst.

Sein 4-Sterne-Superior-Haus ist dafür ein gutes Beispiel. Das traumhaft im Herzen von Thüringen gelegene Seehotel ist deutschlandweit das erste zertifizierte BIO-Kongresshotel. Tagende Unternehmen und Trainer erwartet daher nicht nur ein professioneller Rundum-Service, sondern auch das Wohlgefühl und die Qualität eines BIO-Hotels. „Dadurch ermöglichen wir ein neues Gefühl von Tagen“, erklärt der agile Hotelmanager.

Ein Vor-Ort-Check zeigt, dass sich die Verantwortlichen des Seehotel Zeulenroda einiges einfallen lassen, um ihre Gäste zu begeistern. Unter dem Label „VITACARE“ etwa werden Leistungen offeriert, die Gesundheit, Wohlbefinden und Erfolg der Gäste zugute kommen sollen. „Je nach Bedürfnis eines Gastes kann er verschiedene Elemente, zum Beispiel Ernährung & Bewegung, Erholung & Entspannung, Entwicklung & Entfaltung oder Gesundheit & Prävention, unter Anleitung eines fachkundigen Experten nutzen“, erklärt Marketingleiterin Martina Menzel. Als besonders „gesunde Gerichte“ kredenzt der maitre de cuisine, Marco Lange, zudem VITACARE-Mahlzeiten, natürlich in köstlicher Bio-Qualität.

Einmalige Ideen

Damit kann das Gut Gremmelin in Mecklenburg-Vorpommern zwar nicht aufwarten. Dafür beweist Gutsherrin Claudia Schaffhausen aber unter anderem ein Herz für TrainerInnen mit Kind. In Ferienzeiten können diese nämlich ihren Nachwuchs mit ins Seminarhotel bringen. „Ein Mitarbeiter kümmert sich tagsüber liebevoll um die Trainer-Sprößlinge, während Vater oder Mutter die Veranstaltung leitet“, erklärt Claudia Schaffhauen. Ein schlechtes Gewissen brauchen diese nicht zu haben, denn erfahrungsgemäß genießen die Kids den Fun beim Pony-Reiten, Klettern, Malen oder Baden in vollen Zügen.

Mit seinen 32 stilvoll und hochwertig eingerichteten Zimmern und den drei perfekt ausgestatteten Tagungsräumen (bis zu 100 Quadratmeter groß) braucht das Gut Gremmelin keinen Vergleich zu scheuen. Im Gegenteil: Trainer und Tagungsexperten belohnten das Gutshaus in der Kategorie „Klausur“ mit dem zweitbesten Platz. Ein überzeugendes Votum. „Die Juroren haben anerkannt, dass wir Besonderes, vielleicht sogar Einmaliges bieten“, äußert Claudia Schaffhausen selbstbewusst, „das gesamte Anwesen steht immer nur maximal drei Arbeitsgruppen zur Verfügung, störender Hotelbetrieb beeinflusst deren Arbeit somit keinesfalls.“

Leidenschaft pur

Kontinuierliche Verbesserung – so lautet das Prinzip der ostdeutschen Hoteliers. Was das konkret heißt, verdeutlicht eine nette Anekdote aus dem Gut Gremmelin. „Kurz nach Eröffnung des Guts im Jahre 1998, als noch jeder aus unserem kleinen Team alles machte, vergaßen wir einmal glatt, den Gästen das Frühstück zu bereiten“, berichtet Mitbegründer Stefan Leue, „doch die äußerst peinliche Situation löste sich in Wohlgefallen auf, da alle Gäste sofort mit anpackten und wir dann gemeinsam ein schönes Frühstück zu uns nahmen.“ Das kann heute nicht mehr passieren. Das mittlerweile 21-köpfige Team, darunter 6 Azubis, funktioniert nun eingespielt, auch hinsichtlich der Frühstückzubereitung.

Wer sich mit Mitarbeitern in ostdeutschen Häusern unterhält und in sich reinspürt, wie die Antworten wirken, stellt eines sofort fest: Engagement, Identifikation und Service sind mehr als auswendig gelernte Schlagworte, sondern prägen das Verhalten der Hotelmitarbeiter im Umgang mit den Gästen. So antwortet etwa Stefan Leue vom Gut Gremmelin auf die Frage nach seinem Hobbys: „Gut Gremmelin!“

Oder Brigitte Groeger, seit 40 Jahren ist sie Chefin des Hotel Thüringen in Suhl. Bereits zu DDR-Zeiten managte die im letzten Jahr mit dem „Oskar des Mittelstands“ ausgezeichnete Vollblut-Gastgeberin das frühere Interhotel. Auf die Frage, wie sie es Tag für Tag aufs Neue schaffe, ihre Mitarbeiter zu Höchstleitungen anzuspornen, antwortete sie: „Ich mag meine Mitarbeiter, und meine Mitarbeiter mögen unsere Kunden.“

Worum sich andere Hoteliers verzweifelt bemühen, im Hotel Thüringen wird es gelebt – Servicequalität. Ein Zufall ist das jedoch nicht. Denn Brigitte Groeger und ihr Team erschließen sich die Bedürfniswelt ihrer Gäste und Tagungskunden in regelmäßiger Qualitätszirkelarbeit und in eigenen Weiterbildungsmaßnahmen. Seit elf Jahren wird das Hotel Thüringen daher als „Tagungshotel zum Wohlfühlen“ ausgezeichnet. Außerdem ist es Mitglied des Verbunds der „Exzellenten Tagungshotels“. Nur ein Grund dafür: „Unsere Leichtigkeit beflügelt die Gäste“, so Brigitte Groeger, „denn wir haben die Lehren der Gastlichkeit verinnerlicht.“ Im Rahmen der Aktion „Gäste kochen für Gäste“ etwa, verzaubert die bewährte „Hobby-Kochmannschaft“ die Hotelgäste mit einem exklusiven 6-Gang-Menü, einem fantasievollem Apertif und auf das Menü abgestimmte Weine.

Apropos Preise: Beim Blick auf die Rechnung muss man im Osten nicht erstarren: Die Preise liegen im Schnitt unter denen im Westen Deutschlands, wenn man auch die Standards vergleicht. 79 bis 89 Euro kostet das Doppelzimmer etwa im Schlosshotel Eyba. Für die Halbpension mit drei Gängen kommen 16, bei vier Gängen 22 Euro pro Person hinzu.

Weil die Gäste wiederkommen, wenn sie einmal da waren, bietet das bbw Kommunikationszentrum ein Schnupperarrangement an: eine Übernachtung inkl. Frühstücksbuffet, Begrüßungscocktail an der Kaminbar, 4 Gang Menü zum Abendessen, Schifffahrt auf dem Werbellinsee oder Besuch im Wildpark Schorfheide für lediglich 79 Euro pro Person im Doppelzimmer oder 95 Euro pro Person im Einzelzimmer, ein Glas Sekt zum Empfang sowie eine kleine Schlossführung inklusive. Spezielle Tagungsarrangement bieten alle Häuser.

Dennoch ist für die Ost-Häuser weiterhin Ideenreichtum gefragt, um neue Kunden zu akquirieren. Wie das aussehen kann, zeigt das Gut Gremmelin. Dank einer Kooperation mit dem Flughafen Rostock-Laage bietet es ein neues Wochenend-Special: In nur 60 Minuten werden Tagungsgäste zum Sonderpreis von den Flughäfen Köln/Bonn bzw. München nach Rostock geflogen. Von dort sind es dann nur wenige Minuten mit dem Hotelshuttle. „Ein besonderes und kostengünstiges Angebot für Tagungsgäste aus NRW und Bayern!“, so Gutherrin Claudia Schaffhausen. Denn: Im Preis ab 430,00 € pro Person sind bereits sämtliche Kosten für die Wochenendtagung (Freitag bis Sonntag) enthalten: Räume, Technik, Logis, Vollpension, Getränke und Flugticket! Auch etwa für „Preisfüchse“.

Autor: Michael Gestmann